Die ausgelagerten Gatekeeper
Ein Hintergrundprüfungsanbieter ist ein spezialisiertes Drittunternehmen, das Immobilienagenturen und großen Vermietern beauftragen, den Mieter-Screening-Prozess durchzuführen und zu automatisieren. Statt Dokumente manuell zu sammeln und zu überprüfen, gibt der Vermieter diese zentrale Aufgabe an eine Technologieplattform ab. Diese Anbieter bieten eine optimierte, digitale Lösung, die schneller, konsistenter und gründlicher sein soll als herkömmliche Methoden. Für den Mieter bedeutet dies, dass seine Bewerbung zunächst oft nicht von einem menschlichen Immobilienverwalter geprüft wird, sondern stattdessen von einem komplexen Algorithmus bearbeitet wird, der seine Daten mit verschiedenen Datenbanken abgleicht, um ein Risikoprofil zu erzeugen.
Wie Screening-Anbieter arbeiten
Diese B2B-Unternehmen bieten eine Plattform, auf der der potenzielle Mieter eingeladen wird, ein Profil zu erstellen und die erforderlichen Unterlagen direkt hochzuladen. Das System des Anbieters führt dann automatisch eine Reihe von Prüfungen durch, die Folgendes umfassen können:
- Identitätsprüfung: Mit digitalen Hilfsmitteln wird bestätigt, dass ein Ausweisdokument authentisch ist.
- Kreditprüfungen: Integration mit Auskunfteien wie dem BKR, um einen Bonitätsbericht abzurufen.
- Einkommensverifizierung: Fortgeschrittene optische Zeichenerkennung (OCR) wird verwendet, um Daten aus Gehaltsabrechnungen und Arbeitsverträgen zu extrahieren und das Einkommen zu verifizieren.
- Öffentliche Aufzeichnungen und Sanktionslisten: Öffentliche Datenbanken und internationale Sanktionslisten nach Warnzeichen prüfen.
Sobald alle Prüfungen abgeschlossen sind, erstellt der Anbieter typischerweise einen konsolidierten Bericht für den Vermieter. Dieser Bericht kann eine 'Risikowert' oder eine einfache 'Bestanden/Nicht bestanden'-Empfehlung enthalten, die der Vermieter dann verwendet, um seine endgültige Entscheidung zu treffen. Dadurch wird der Prozess automatisiert und standardisiert, insbesondere für Agenturen, die Hunderte von Bewerbungen bearbeiten.
Das Problem der algorithmischen Beurteilung
Während dieses Prozesses ist es effizient, führt er zu einer erheblichen Undurchsichtigkeit und Automatisierung bei einer lebensverändernden Entscheidung. Der Mieter hat keinen direkten Kontakt zum Screening-Anbieter und hat wenig bis kein Einblick, wie der Algorithmus des Anbieters funktioniert. Dies wirft mehrere Bedenken auf:
- Fehler und Ungenauigkeiten: Ein Fehler in einer Datenbank oder ein Fehler der OCR beim Lesen eines Dokuments könnte zu einer ungerechten negativen Bewertung führen. Die Korrektur dieser Fehler kann ein schwieriger und bürokratischer Prozess sein.
- Mangel an Nuancen: Algorithmen sind nicht gut darin, Kontext zu verstehen. Eine komplexe Einkommenssituation (z. B. ein Freiberufler mit schwankendem Einkommen) oder ein vergangenes Kreditproblem, das eine vernünftige Erklärung hat, könnte vom System automatisch als Hochrisiko markiert werden, ohne dem Bewerber die Möglichkeit, sich zu erklären.
- Datenschutz: Der Mieter muss seine sensibelsten persönlichen und finanziellen Unterlagen auf einer weiteren Plattform eines Drittanbieters hochladen, was die Anzahl der Stellen erhöht, die seine Daten halten, und das potenzielle Risiko eines Datenverstoßes erhöht.
Nach der DSGVO haben Mieter das Recht, auf die von diesen Anbietern gespeicherten Daten zuzugreifen und die Berichtigung ungenauer Informationen zu verlangen. Die Ausübung dieser Rechte mitten in einem zeitkritischen Bewerbungsprozess kann jedoch herausfordernd sein.